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„Gesundheit ist mehr als die
Abwesenheit von Krankheit!”



Nachruf

Prof. Heike BösenbergDie Mitglieder des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker (Ärzte für Hygiene und Umweltmedizin e.V.) trauern um ihren Ehrenvorsitzenden, Univ.-Prof. a. D. Dr. med. Heike Bösenberg, der nach langer schwerer Krankheit am 29.09.2003 im Alter von 68 Jahren verstarb.

Heike Bösenberg wurde am 07. November 1934 in Münster geboren. Im Anschluss an die Schulzeit folgte von 1955 bis 1961 das Studium der Medizin an den Universitäten Münster, Zürich, München und zuletzt in Freiburg im Breisgau, wo er 1963 zum Dr. med. promoviert wurde. Nach der Medizinalassistentenzeit an der Medizinischen Klinik und an der Frauenklinik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Chirurgischen Klinik der Heinrich Heine-Universität in Düsseldorf trat Heike Bösenberg 1963 eine Assistentenstelle am Hygiene-Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster an. Mit der Habilitation 1969 erhielt er die venia legendi für das Fach Hygiene. 1972 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor, 1973 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor. Nach der Neuordnung der Medizinischen Fakultät leitete Prof. Bösenberg als Direktor das nunmehr selbständige Institut für Hygiene von Oktober 1986 bis März 2001.

Als Hochschullehrer setzte sich Prof. Bösenberg mit beeindruckender Kompetenz und Begeisterung für das Fach Hygiene und Umweltmedizin in Wissenschaft und Lehre ein. In seinen temperamentvoll und mit großem Engagement gehaltenen Vorlesungen gelang es ihm, durch praxisorientierte Beispiele bei zahlreichen Studierenden das Interesse an den Fachgebieten Hygiene und Umweltmedizin zu wecken. Daraus erwuchsen eine Vielzahl von Doktorarbeiten und intensive persönliche Kontakte, die ihn in den schweren Monaten der Krankheit stützten.

Bei wissenschaftlichen Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen war Prof. Bösenberg ein viel gefragter Referent. Seine Forschungsergebnisse und Erfahrungen gab er in zahlreichen Publikationen weiter.

In Kooperation mit Fachkollegen im In- und Ausland sowie mit klinisch tätigen Kollegen gelang es Prof. Bösenberg stets, auf die anstehenden umwelthygienischen und krankenhaushygienischen Fragestellungen praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Diese Fähigkeit kam z.B. der Planung und dem Bau der "Bettentürme" des Universitätsklinikums zugute, wobei sich Prof. Bösenberg als kompetenter, praxisorientierter und einfallsreicher Berater erwies.

In den Selbstverwaltungsgremien der Universität z.B. in der Finanzkommission, im Fachbereichsrat, in der Hygienekommission und im Konvent war Prof. Bösenberg maßgeblich beteiligt. Er brachte sein Fachwissen und seine Erfahrung als Mitglied verschiedener Kommissionen der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein. Seine im In- und Ausland geschätzte Kompetenz führte zur Berufung in den Gesundheitsrat. Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie berief ihn in den Vorstand der Sektion "Hygiene und Gesundheitswesen".

Während seiner langjährigen und anerkannt erfolgreichen Arbeit als Mitglied der Kommission "Krankenhaushygiene und Infektionsprävention" beeinflusste er maßgeblich die Erstellung der "Richtlinie für die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen" des damaligen Bundesgesundheitsamtes, jetzt Robert Koch-Institut, Berlin. Dadurch wurden maßgebende, hohe Qualitätsstandards zum Schutz der Patienten in Deutschland vor nosokomialen Infektionen für praktisch alle medizinischen Fachdisziplinen aufgestellt, wodurch der hohe Stand der Krankenhaushygiene in Deutschland erzielt werden konnte.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Bundesärztekammer schätzten sein tatkräftiges Mitwirken im Weiterbildungswesen, wo sich Prof. Bösenberg konsequent und erfolgreich in Kooperation mit anderen Hygienikern für die Etablierung der Facharztqualifikation "Hygiene und Umweltmedizin" einsetzte und in Zusammenarbeit mit Ärzten des öffentlichen Gesundheitswesens die Musterweiterbildungsordnung zum Erwerb der Facharztbezeichnung "Öffentliches Gesundheitswesen" mit prägte. Prof. Bösenberg arbeitete als Mitglied in den Prüfungs- und Widerspruchausschüssen "Hygiene und Umweltmedizin", Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie" sowie "Umweltmedizin".

Prof. Bösenberg war Gründungsinitiator und erster Präsident des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker (Ärzte für Hygiene und Umweltmedizin e.V.), zu dessen Ehrenvorsitzenden er nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben ernannt wurde. Er zeichnete verantwortlich für die Gründung der Gesellschaft für Hygiene und Umweltmedizin (GHU), als deren Vizepräsident im Gründungsvorstand er gewählt wurde. Im Jahr 2002 wurde er zum Ehrenpräsidenten dieser Gesellschaft ernannt.

Der Vorstand der Rudolf-Schülke-Stiftung zeichnete Prof. Bösenberg für seine Verdienste um das Fach "Hygiene und Umweltmedizin" im Jahr 2003 mit der Hygieia-Medaille aus. Bis zuletzt hat sich Prof. Bösenberg mit unermüdlichem Einsatz für das Fach Hygiene eingesetzt, in Zusammenarbeit mit anderen Kollegen an den Weiterbildungsinhalten unserer Facharztausbildung mitgearbeitet und in den Gremien der Bundesärztekammer vertreten. Sein Wirken und Handeln war in besonderem Maße vom Gedanken der Zusammenarbeit und der Kollegialität geprägt, das Wohl der Gemeinschaft stand stets im Vordergrund seiner Bemühungen. Diejenigen, die das Vergnügen haben durften mit Ihm zusammenzuarbeiten, werden seinen Einfallsreichtum, seine konstruktive Arbeitsweise aber auch besonders seinen Humor, den er auch in schwierigsten Situationen nie verloren hat, sehr vermissen.

Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow